Drag Hochburg Salzburg? Aber ja!

Es vergeht mittlerweile kein Monat, in dem in Salzburg nicht irgendeine Dragveranstaltung über eine der vielen Bühnen geht. In manchen Monaten sind es gleich mehrere. Ist Salzburg eine Drag Hochburg? Und wie ist es dazu gekommen? Hier ist unser Redaktionsfazit zur Reihe „Drag Hochburg Salzburg“ der vergangenen Wochen.
Um zu verstehen, wie das alles gekommen ist empfiehlt sich ein Blick zurück in die Corona-Zeit. Als es noch Lockdowns gab, das Ausgehverhalten auf den Kopf gestellt wurde und queeres öffentliches Leben in real kaum noch existierte, hatte die Salzburger Szene ihre Lange Nacht der Vielfalt gerade hinter sich – organisiert maßgeblich von Gigi La Pajette.
Gigi hatte gerade begonnen, sich in Salzburg einen Namen als Dragkünstlerin zu machen, da kam Corona. Gigi nutzte diese Zwangspause und erdachte, choreografierte, entwickelte Showformate für DragkünstlerInnen. Und verlegte zu Lockdown-Zeiten ihr öffentliches Wirken Live auf Facebook mit einigen schrägen Performances wie „1 Jahr Corinna, 37 Lockdowns später: Der Jahresrück- und Vorblick. Menschen, Bilder, Weißwein.“

2022 startete Gigi nach dem Ende aller Corona-Beschränkungen mit neuem Schwung durch. Erstes Highlight war das Krimidinner. Gefolgt von Gigi’s Rosa Stadl, als Drag-Oktoberfest oder Tanz in den Mai. Viele weitere Events folgen bis heute.
Brunchende Queens aus ganz Österreich
Dabei knüpfte Gigi ein Netzwerk mit Dragqueens aus allen österreichischen Bundesländern. So kommen immer wieder Dragqueens aus Wien, Kärnten oder Tirol nach Salzburg um Teil von Gigi’s Show zu sein. Beim Rosa Stadl oder den Brunching Divas.
Ebenfalls nach Corona entwickelte sich im Narrencastl in Salzburg-Lehen, eine Nachbarschaftskneipe mit kleiner Bühne, ein Showevent, das aus dem Bedürfnis einiger Leute entstand, auf der Bühne zu stehen und jemand anderes sein zu können. Daraus entwickelte sich die Magic Garage, die in der Anfangszeit das Narrencastl zum Beben brachte und sogar internationale Aufmerksamkeit erfuhr.






Immer mehr PerformerInnen stießen zur Truppe, es bildete sich der Verein QueKuSa (Queere Kultur in Salzburg). Inzwischen gibt es Shows auf der Bühne der ARGE Kultur. Zu Halloween performt die Truppe im Jazzit. Im Mai veranstaltet die Magic Garage das burleske Magic Cabaret im Toihaus. Das Narrencastl ist für die Nachfrage längst zu klein.
So hat sich in den letzten sechs Jahren ein weitverzweigtes Drag-Netzwerk in Salzburg und von Salzburg ausgehend entwickelt. Das eher als liberal zu bezeichnende politische Klima in der Stadt ist ein guter Boden für das Zulassen des Spiels mit den Geschlechtergrenzen.
Man bedenke: Salzburg hat ca. 160000 Einwohner. Etwa so viel wie Regensburg in Deutschland oder Basel in der Schweiz. Im Vergleich dazu hat Salzburg eine sehr lebendige queere und eben auch Drag-Szene. Und so kann man derzeit mit Fug und Recht sagen: Drag Hochburg Salzburg? Aber ja!
Ein Kommentar von Peter Goebel
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