Gelebte Auseinandersetzung

„Mind the Gap“ ist der Titel der Tanzveranstaltung im Rahmen des diesjährigen Salzburg Pride Festivals. Das Event findet am 4. September in der Salzburger Kollegienkirche statt. QueerSalzburg sprach mit dem Choreografen und einem der beiden Tänzer des Events Florian Entenfellner.
Florian lacht, als er sich selbst einen „Studienabbrecher“ bezeichnet. Geboren in Wels, einer kleinen Stadt in Oberösterreich, zog es ihn früh in die Welt hinaus: London, Hamburg, Essen. Städte, die ihn geprägt und künstlerisch geformt haben. In London machte er seinen Bachelor in Tanz und Musical Theater, in Hamburg wagte er sich an ein Masterstudium, das er schließlich abbrach. „Zu theoretisch“, meint er heute schmunzelnd. Ihn zog es auf die Bühne, zum Erschaffen, zum unmittelbaren Ausdruck. Ganz losgelassen hat er das Studium jedoch nicht: Einige Jahre später kehrte er nach Essen zurück, an die Folkwang Universität, wo er dann doch seinen Master abschloss.
Inspirationsquelle Pina Bausch
Florians künstlerisches Wirken ist durchzogen von gesellschaftlicher Wucht: feministische Perspektiven, queere Lebensrealitäten, Fragen nach Miteinander, Beziehung und Konsum. „Es geht mir nicht um leichte Kost. Die Stücke und Aufführungen sollen berühren und zum Nachdenken“, erklärt Entenfellner. Für ihn ist Tanz kein bloßes ästhetisches Erlebnis, sondern gelebte Auseinandersetzung.

In Essen stand für Entenfellner ein Name immer im Raum: Pina Bausch. Sie ist nicht nur eine der bedeutendsten Choreografinnen des 20. Jahrhunderts, sondern auch eine Pionierin, die das deutsche Tanztheater revolutionierte. Ihr Wirken ist heute noch spürbar. Nicht nur in Wuppertal, wo sie das weltweit renommierte Wuppertaler Tanztheater aufbaute, sondern auch an der Folkwang Universität, die Entenfellner selbst besuchte. „Pina hat das deutsche Tanztheater sehr geprägt. Die Themen, die sie behandelt, haben mich immer wieder inspiriert,“ so Entenfellner.
Er sieht sich in einer Tradition, die nicht nur Tanz reproduziert, sondern Räume für Fragen schafft. „Mich interessiert das Zwischenmenschliche besonders. Es geht darum, was zwischen den Menschen passiert auf der Bühne und im Publikum,“ so der Choreograf.
„Mind the Gap“ zur Salzburg Pride
Mit seiner neuesten Arbeit „Mind the Gap“ bringt er diese Haltung nun nach Salzburg. Am 4. September wird das Tanzduett im Rahmen des Salzburg Pride Festivals in der Kollegienkirche aufgeführt. Schon der Ort selbst ist für Entenfellner Teil der Performance: „Jeder Raum hat seine eigene Akustik, seine eigene Atmosphäre. Ich hoffe, dass die Kollegienkirche mit ihrer Weite und ihrem Echo die Aufführung noch verstärkt.“

„Mind the Gap“ ist kein klassisches Tanzstück. Es lebt von Publikumsnähe, von intensiven, manchmal akrobatischen Momenten, die zwischen Intimität und Wildheit pendeln. „Man darf lachen, weinen, überrascht sein. Am schönsten ist es, wenn die Menschen offen für alle Emotionen in die Aufführung reingehen kommen.“
Nach der Aufführung wollen der Choreograf und sein Team nicht gleich gehen, sondern freuen sich auf die Gespräche mit den Zuschauern. Bei einem Getränk, so stellt er sich vor, kann aus der Begegnung mit dem Publikum etwas Neues entstehen. „Kommt nach der Aufführung gerne zu uns und lasst uns bei einem Drink gemeinsam reden.“
Das Gespräch führte Sebastian Brandstätter
Mind the Gap, 4.09.2025 19 Uhr Kollegienkirche Salzburg
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