Gigi La Pajette

Den zweiten Teil unserer Beitragsreihe „Drag Hochburg Salzburg“ widmen wir Gigi La Pajette. Mit ihr sprechen wir über ihre ersten Schritte in Drag in Hamburg, wie sie sich nach ihrem Umzug in Salzburg als Kunstfigur etablierte und was Drag-Kunst für sie persönlich bedeutet.
Gigis Einstieg in die Welt des Drag war alles andere als glamourös. 2013 in Hamburg aus Spaß zum Feiern gehen in einen „Fummel“ geworfen. „Das war ein schwarzer, relativ enger Rock, ein violettes Billig-Chiffon-Flatter-Oberteil mit Gürtel und mit sehr langen, rosaroten Haaren. Das war von der Gigi heute meilenweit entfernt“, erinnert sich Gigi lachend zurück.

„Ich bin froh, dass es davon keine Fotos gibt. Ich habe das Outfit aber immer noch in meinem Schrank, einfach als Erinnerung“, meint Gigi. Nach diesem ersten Mal bewusst in Drag taucht Gigi erst zögerlich, dann immer entschlossener in die Welt des Drag ein. „Nach einem halben Jahr habe ich dann mehr und mehr gemacht“, erzählt sie. Vom Schnaps-Ausschenken an Hamburger Clubtüren bis hin zu Moderationen von verschiedenen Events entwickelte sich Schritt für Schritt ihre Karriere.
Von Hamburg nach Salzburg
Gigis erste Schritte in Drag in Salzburg ergaben sich dann über Auftritte bei Events und Initiativen wie der „Langen Nacht der Vielfalt“. So machte sich die Drag Queen schon vor ihrem Umzug 2023 einen Namen in der Mozartstadt. „Das war ein langer, steiniger, harter Weg. Aber es hat sich rentiert“, sagt sie rückblickend.
Besonders prägend war für sie ein Moment, in dem im Rahmen eines Events die unterschiedlichsten Menschen vor der Mexxx Gaybar zusammenkamen: „Einfach Spaß haben. Kein Urteilen, kein Schämen.“ Dieser Moment blieb Gigi so sehr in Erinnerung, dass dieses Gefühl ihre Arbeit bis heute prägt.
„Kein Urteilen, kein Schämen“
Auf die Frage, ob sie sich als Drag-Pionierin in Salzburg sieht, meint Gigi: Ich habe nicht das klassische Gefühl einer „Vorprescherin“, sondern eher als jemand, der Möglichkeiten erkennt und nutzt.“ Angesprochen auf ihre Event-Ideen meint Gigi schmunzelnd: „Ich nenn‘ sie meine glitzernde Schublade. Da packe ich alle Ideen rein und wenn die Zeit stimmt, hole ich sie wieder heraus.“

Und Ideen hat sie viele: Dazu zählen Bingo Events, Brunches, ihre weihnachtliche Drag-Revue „Stille Nacht, Schrille Nacht“, Krimi Dinner, Silent Discos, der Rosa Stadl, das G&G Live Event mit ihrer Kollegin Grazia Patricia – und das alles in Drag. Auch auf der Theaterbühne findet man die blonde Queen. Seit 2,5 Jahren ist sie Teil des Ensembles des Salzburger OFF Theaters und ist dort in den Stücken „Club Oberon“ und „Taxi, Taxi“ zu sehen.
Dabei ist Gigi besonders wichtig, Drag-Kunst aus den gewohnten Kontexten herauszuholen. „Allen möglichen Menschen Drag zugänglich machen, mit vielen verschiedenen Formaten in verschiedenen Locations.“
„Ein erwachsenerer Mensch“
Salzburg habe sich in ihren Augen über die Jahre stark entwickelt, auch wenn sie den Begriff „Drag Hochburg“ relativiert. „Die Szene hier ist sehr gut am Wachsen“, meint sie. Es sei „eine Szene im Aufbruch, mit wachsendem Verständnis für Drag als Kunstform.“ Wichtig ist Gigi aber auch, dass der Respekt vor der Kunst nicht verloren gehen dürfe. „Für mich ist Drag eine Kunstform, in die ich viel Zeit, Geld und Arbeit reinstecke.“

Die Kunstfigur habe sie „zu einem viel erwachseneren Menschen gemacht“. „Ich habe so viel über mich selber kennengelernt“, sagt sie. Gleichzeitig ist da der Arbeitsalltag: Gigi La Pajette ist als Drag Queen nun im dritten Jahr hauptberuflich selbstständig, das kommt mit viel Aufwand. Neue Showkonzepte ausdenken, Kostüme nähen, Songs einstudieren … „Man merkt: Es ist Arbeit.“
„Drag ist politisch“
Für Gigi ist Sichtbarkeit zentral, gerade in der queeren Community: „Ob wir das erreicht hätten, was wir erreicht haben, wenn alle im Jogginganzug gegangen wären?“ fragt sie rhetorisch mit Blick auf Pride Paraden. Drag sei immer auch politisch, wenn auch jede Drag Queen selbst entscheidet, wie sehr. Und Drag Queens verpacken Thematiken gern in Humor und verschiedenen Showacts: „Wir zeigen mit dem Zeigefinger auf Missstände, aber mit langen glitzernden Fingernägeln,“ meint Gigi schmunzelnd.
Beim Gespräch ist ihre Leidenschaft spürbar. Ob Bingo, Rosa Stadl oder Brunch. Abschließend sagt uns Gigi La Pajette mit einem Lächeln: „Kreativität, Gemeinschaft und den Mut, Neues auszuprobieren, das ist mir wichtig. Wenn es floppt, kann ich immer sagen: Okay, passt nicht. Aber ich habe es ausprobiert.“
Interview und Text: Sebastian Brandstätter
Tickets zu den Events von Gigi La Pajette gibt es hier.
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