Drag Hochburg Salzburg

Lilly Hightower

Zum Abschluss unserer Beitragsreihe „Drag Hochburg Salzburg“ befassen wir uns mit der Drag Queen Lilly Hightower. Mit ihr haben wir uns darüber unterhalten, was Drag eigentlich bedeutet, wie sie zu dieser Kunstform kam und was ihre prägendsten Erfahrungen sind. Außerdem haben wir sie gefragt, wie sie die Drag Szene in Salzburg bewertet.

„Drag ist eine Person, die wahnsinnig stark mit Genderrollen spielt“, sagt Lilly Hightower lächelnd. „Von opulenten Kostümen bis zum riesigen Make-up ist eigentlich ziemlich alles dabei. Wir performen, mal lustig mal ernst.“ Für Lilly Hightower ist Drag mehr als Glitzer und Performance: „Es ist eine Mischung aus Politik und Kabarett – mit einem kleinen Dachschaden,“ fügt sie lachend hinzu. Vor allem aber sei es eine Einladung: „Für jeden, der Bock hat, einfach einmal aus dem 0815 Alltag auszubrechen.“ 

Schnell ausgebremst

Ihre erste Begegnung mit Drag liegt rund 14 Jahre zurück bei einem Event, bei dem eine Drag Queen als Walking Act engagiert war. „Damals habe ich noch gar nicht genau gewusst, was eine Drag Queen eigentlich ist“, erinnert sich Lilly. Erste eigene Schritte folgten Jahre später, wurden jedoch schnell ausgebremst. „Wenn du niemanden hast, der dich auffängt, bist du schnell weg vom Fenster.“ Und so war das Thema Drag für Lilly zunächst vom Tisch.

Stattdessen widmete sie sich über Jahre hinweg dem Special-Effects-Make-Up. „Eher Grusel als weiblich anmutend“, wie sie sagt. Erst durch ihre heutige Drag-Schwester Morita Maschinella fand sie zurück zur Kunstform. Ein gemeinsamer Abend, ein bisschen Überzeugungsarbeit und schließlich der entscheidende Satz ihrer Schwester: „Du kannst dich ja eh gut schminken. Probier’s halt einfach mal aus.“

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Gesagt, getan. Lillys erster Drag-Look: Ein pinkes Dirndl, eine selbstgestylte Perücke und noch mit Bart. „Ich war so mutig, dass ich so rausgegangen bin“, meint sie heute lachend. Schnell wurde klar, wohin die Reise geht: „Drag mache ich, aber ohne Bart.“

Zeitmanagement & Selbstorganisation

Auch ihr erstes offizielles Booking, die Unken Pride Parade, war prägend. „Ich hab gemerkt, dass mir das Arbeiten mit Menschen eigentlich ziemlich leicht fällt.“ Gleichzeitig lernte sie schnell die praktischen Seiten des Lebens einer Performerin: Zeitmanagement, Vorbereitung, Selbstorganisation. „Damals hab ich noch viereinhalb Stunden gebraucht, um mich fertig zu machen“, erzählt sie. 

Lehrreiche Erfahrungen zeigten Lilly aber auch ihre Grenzen auf. Ein Auftritt krank auf der Bühne etwa brachte eine wichtige Erkenntnis: „Wenn du krank bist, bist du krank. Auch als Performerin darfst du ausfallen,“ zog die Drag Queen ihre Lehre.

Eine Besonderheit: Lilly singt live. Während viele Drag Artists auf Lip-Sync setzen, bringt sie ihre Stimme auf die Bühne. „Gesungen hab ich eigentlich schon als Kind“, sagt sie. Nach einer Pause in den Teenagerjahren fand sie über Karaoke zurück zum Gesang. Schließlich verband sie das auch mit ihren Drag-Performances. „‚Satellite‘ von Lena Meyer-Landrut war mein erster Song in Drag – und es war grottig“, lacht sie rückblickend. Deutlich besser lief es mit Klassikern wie ‚Great Balls of Fire‘ von Jerry Lee Lewis. Songs, die sie wirklich „fühlt“.

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Besonders schätzt Lilly die Drag-Szene in Salzburg. Trotz Herausforderungen, etwa bei der Suche nach leistbaren Locations, beschreibt sie den Zusammenhalt innerhalb der Szene als stark: „Wenn es einer Queen schlecht geht, geht es der nächsten auch schlecht. Deshalb hilft man sich. Wir sind schon eine eingeschweißte Gruppe hier.“

Zu den prägendsten Momenten ihrer bisherigen Karriere zählt die Alpbach Pride Parade: „Ich habe dort so viele spannende Gespräche geführt über Politik, Queerness und Perspektiven aus aller Welt.“ 

„Ich selbst, nur lauter“

Für Lilly selbst hat Drag vor allem eines verändert: Ihr Selbstbewusstsein. „Ich hätte mich vor ein paar Jahren nie auf eine Bühne gestellt. Aber mittlerweile ist Drag für mich der Moment, in dem ich alles hinter mir lasse und einfach ich selbst bin. Nur lauter.“
Interview und Text: Sebastian Brandstätter

Lilly Hightower auf Instagram

Veröffentlicht 3. April 2026
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